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Von Veröffentlicht am: 17. Juli 2021Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

Machen wir ein kleines Experiment: Setzten Sie sich vor Ihrem PC oder Smartphone nun aufrecht und mit gestrecktem Rücken hin und sagen Sie einmal zu sich: „Ich bin so traurig“. Fühlt sich nicht ganz stimmig an, oder? Wenn wir hingegen den Rücken krümmen und zusammengesunken sitzend diesen Satz sagen, fühlt es sich stimmiger an.

Hieran erkennen wir: Die Körperhaltung verrät hauptsächlich etwas über das generelle Befinden aber auch über den empfundenen sozialen Status, wie Sie gleich lernen. Was die Haltung bspw. von der Mimik unterscheidet, ist, dass sie auch aus der Ferne sichtbar ist, wohingegen wir Mikroexpressionen in der Mimik wohl eher schlechter von weiter weg erkennen können.

Bei der Körperhaltung gibt es fünf Signalkategorien, die uns nonverbal etwas mitteilen: eine davon ist die Körperstreckung.

Was die Körperstreckung bedeuten kann

Bei der Körperstreckung unterscheiden wir gebeugt und aufrecht. In der Mimikresonanz®-Profibox sind diese beiden Signale, neben zahlreichen weiteren Signalen der Körperprache unter B2.1 (eingefallen) und B2.2 (aufrecht) zu finden.

Im Gegensatz zu anderen nonverbalen Signalen geht es bei der Körperhaltung weniger darum, auf Bewegungen zu achten, sondern eher darauf, in welcher Position der Körper verharrt.

Ist der Körper eingefallen, kann dies auf Folgendes hinweisen:

  • unangenehme Emotionen wie z.B. Trauer, Scham, Verlegenheit, Schuld oder Langeweile
  • ein aktueller Tiefstatus

Ist der Körper aufrecht, sagt er dies aus:

  • angenehme Emotionen wie z.B. Stolz, Triumph, Freude, Interesse oder Überraschung
  • ein möglicher Hochstatus (Dominanz)
  • positives Flirtzeichen bei beiden Geschlechtern

Eine aufrechte Körperhaltung vermittelt Dominanz, während eine eingefallene, gebeugte Körperhaltung submissiv wirkt. Sowohl in beruflichen als auch in privaten oder sportlichen Situationen transportiert Dominanz grundsätzlich Kompetenz. Submission hingegen erzeugt zwischenmenschliche Wärme, wird aber auch mit schlechterer Performance oder negativen Leistungsmerkmalen assoziiert.

So erkennen Sie die Körperstreckung

Beim Erkennen dieses Merkmals müssen Sie auf zwei Haltungen achten:

  • ist der Oberkörper nach unten gebeugt, ist die Körperhaltung eingefallen
  • ist der Rücken gestreckt, befindet sich die Person in einer aufrechten Körperhaltung

Aufrechte „Alpha-Tiere“

Menschen wie Tiere drücken ihre Dominanz und Führungsposition in einer Gruppe („Alphastatus“) durch eine offene, aufrechte und damit raumeinnehmende Körpersprache aus. Der höhere soziale Status spiegelt sich aber nicht nur nonverbal, sondern auch hormonell wider: Das „Alpha-Tier“ einer Gruppe hat einen höheren Spiegel des Dominanzhormons Testosteron sowie geringere Werte des Stresshormons Cortisol. Umgekehrt hingegen kann eine dominante Körpersprache nicht unseren Hormonspiegel beeinflussen, entgegen dem weit verbreiteten Mythos der High-Power-Posen.

Allerdings hilft die Körperstreckung durchaus das subjektive Empfinden zu verändern. In Stresssituationen sollten Sie also dennoch auf eine aufrechte und offene Körpersprache achten, um Ihre Gefühle und auch Ihre kognitive Leistungsfähigkeit positiv zu beeinflussen.

Quellen

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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