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Von Veröffentlicht am: 24. April 2021Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

„Der Ton macht die Musik“ ist ein viel zitiertes Sprichwort, auf das auch gern Streithähne zurückgreifen. Vermutlich haben Sie selbst schon einmal die Situation erlebt, in der Sie sich mit jemandem streiten und Ihr Gegenüber entweder dieses Zitat aufgreift oder entrüstet ausruft: „Nicht in diesem Tonfall, Freundchen!“. Solche Aussprüche hört man zum Beispiel oft bei Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Teenagern. Denn der Tonfall macht eben wahrhaftig den Unterschied. Er bildet die Qualität des Stimmklangs ab, die über Tonhöhe und Lautstärke hinausgeht und zeigt, WIE wir etwas sagen.

Beim Tonfall unterscheiden wir vier Kategorien:

  • den harten Tonfall
  • den weichen Tonfall
  • den monotonen Tonfall
  • den melodischen Tonfall

Was der Tonfall bedeuten können

Die vier Kategorien lassen sich den vier neurobiologischen Grundmotiven und den dazugehörigen Emotionen im Motivkompass zuordnen. Das bedeutet:

  • Ein harter Tonfall ist insbesondere für die Primäremotion Ärger kennzeichnend, zeigt sich aber generell bei „feindseligen“ Hochstatus-Emotionen wie z.B. auch Verachtung. Er weist somit auf ein aktiviertes Durchsetzungs-Motivfeld hin.
  • Ein weicher Tonfall signalisiert typischerweise Tiefstatus-Emotionen aus dem Harmonie-Motivfeld wie Trauer, Liebe oder Scham. Menschen mit der hoch ausgeprägten Persönlichkeitseigenschaft Verträglichkeit neigen eher zu einem weicheren Tonfall, da er zwischenmenschliche Wärme transportiert.
  • Ein monotoner Tonfall ist charakteristisch für Angst und Ekel, aber auch für Trauer. Primär weist er also auf ein aktiviertes Ordnungs-Motivfeld hin.
  • Ein melodischer Tonfall steht typischerweise für Freude und Interesse und zeigt damit vor allem ein aktiviertes Inspirations-Motivfeld an. Ebenso neigen Menschen mit einer hohen Ausprägung der Persönlichkeitseigenschaft Extraversion zu einem kraftvolleren und melodischeren Tonfall.

So erkennen Sie den jeweiligen Tonfall

Auch wenn wir bei dem Thema Körpersprache nicht zwangsläufig an den Tonfall denken, so ist er doch Teil unseres nonverbalen Ausdrucks. Im Wholeception Objective Coding System gehört dieses Signal, V1.3, zum Beobachtungskanal der Stimme. Sie finden neben den acht Beobachtungskanälen in der Mimikresonanz-Profibox sogar noch einen weiteren nonverbalen Kanal, die digitale Welt.

Hier sehen Sie, wie Sie die Tonfälle voneinander unterscheiden:

  • Harter Tonfall: Die Stimme klingt kühler, aber auch kraftvoller, die Betonung ist rhythmisch und stakkatoartig, die Artikulation wirkt härter.
  • Weicher Tonfall: Die Stimme klingt einfühlsam und warm, kann dadurch aber auch kraftloser wirken. Betonung und Artikulation sind weicher und fließender im Übergang.
  • Monotoner Tonfall: Der Stimmklang ist gleichförmig und wenig variabel.
  • Melodischer Tonfall: Der Stimmklang ist flexibel und variabel.

Den Tonfall als Wirkinstrument nutzen

Der Tonfall ist ein sehr mächtiges Wirkinstrument, was sich in den Ergebnissen einiger Studien widerspiegelt. So wies ein Forscherteam nach, dass in der Arzt-Patienten-Kommunikation ein „weicherer“ Tonfall des Arztes (zwischenmenschliche Wärme) die Patientenzufriedenheit und das dem Arzt entgegengebrachte Vertrauen steigerte. In Kombination mit einem melodischen Tonfall, der Enthusiasmus vermittelt, wirkte sich dies sogar positiv auf die Bereitschaft des Patienten aus, sich an die Behandlungsvorgaben zu halten, z.B. bestimmte Medikamente zu nehmen. In einer anderen Studie konnte sogar gezeigt werden: Chirurgen, die in ihrer Stimme weniger dominant und dadurch empathischer wirken, die also kaum einen „harten“, tiefen und lauten Tonfall nutzen, werden seltener verklagt.

Wir können unseren Tonfall also bewusst nutzen, doch manchmal verändert sich der Tonfall wie von allein – zum Beispiel wenn wir mit unseren Haustieren, wie dem Hund, sprechen. Die Stimme wird höher und Gefühle werden stimmlich übertrieben transportiert. Eine Studie erklärt sogar den Grund dahinter: Die Veränderung des Tonfalls steigert die Aufmerksamkeit des Hundes und die emotionale Bindung wird gestärkt.

Quellen

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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