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Von Veröffentlicht am: 26. Juni 2021Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

Kennen Sie den Zirkus „Flic Flac“? Das ist ein außergewöhnlicher Zirkus mit sehr riskanten Darbietungen und gewagten Stunts. Da fliegen Motorradfahrer mit ihren Rädern durch die Luft und in der sogenannten Todeskugel, einer großen Stahlkugel mit dem Namen „Globe of Speed“, rasen sie teilweise zu zehnt in atemberaubendem Tempo aneinander vorbei. Als Zuschauer kann man in der Regel nur davorsitzen und die Augenbrauen hochziehen. Denn was sich einem dort bietet, ist schier unglaublich.

Was das Augenbrauen Hochziehen bedeuten kann

Tritt das Hochziehen der Augenbrauen auf, wenn wir zuhören oder etwas Besonderes sehen, steht es für Ungläubigkeit, Skepsis, Zweifel neben dem kognitiven Erstaunen, meist begleitet durch eine leichte Nach-vorn-Bewegung des Kopfes. Deshalb zählt dieses mimische Signal (F1.2), ebenso wie bspw. das Lippen schürzen, zu den sieben mimischen Einwandsignalen, auf die Sie im Verkauf beispielsweise besonders achten sollten. Weitere Einwandsignale, neben unzähligen Fakten und hilfreichen Anwendungshinweisen zur Interpretation von Körpersprache, finden Sie in der Mimikresonanz®-Profibox.

Ziehen wir die Augenbrauen hoch, während wir selbst sprechen, betonen wir damit in der Regel etwas.

Doch es kann auch andere Bedeutungen haben, wenn wir die Augenbrauen hochziehen. Wie bei allen Signalen der Körpersprache sollten Sie auch hier auf den Kontext und zusätzliche Signale achten, in dem Sie das Signal beobachten. Es kann außerdem bedeuten:

  • Interesse, wenn die Augenbrauen nur leicht hochgezogen sind. Dann signalisiert der Ausdruck, dass wir aufnahmebereit für neue Informationen sind.
  • Überraschung, wenn gleichzeitig entweder die oberen Augenlider hochgezogen werden oder der Mund geöffnet ist
  • Ratlosigkeit, vor allem wenn die Augenbrauen stärker hochgezogen werden. Hier kann der Ausdruck auf andere unterwürfig wirken.
  • soziale Ablehnung, wenn der Kopf dabei in den Nacken gelegt wird
  • zucken die Augenbrauen nur kurz nach oben (sog. Eyebrow-Flash), ist dies als Zeichen für ein „Ja“ zur sozialen Kontaktaufnahme zu verstehen: Grüßen, Flirten, Schäkern mit Kleinkindern

Die Bewegung, Augenbrauen hochziehen, ist also ein regelrechtes Multitalent der Kommunikation.

So erkennen Sie das Hochziehen der Augenbrauen

Bevor Sie lernen, woran Sie das Augenbrauen Hochziehen erkennen, möchte ich Ihnen eine kleine Übung mitgeben, um Ihre mimische Ausdrucksflexibilität zu trainieren. Vielleicht kennen Sie die ikonische Flirtmimik von Tom Sellek in seiner Rolle als Thomas Magnum. Er zieht dazu zweimal schnell hintereinander die Augenbrauen hoch. HIER können Sie sich die Bewegung anschauen. Versuchen Sie doch einmal ebenfalls so schnell wie möglich hintereinander Ihre Augenbrauen hochzuziehen. Wie gut gelingt es Ihnen?

Wenn Sie nun die Augenbrauen oben angehoben lassen, sollte man bei Ihnen folgende Merkmale erkennen können:

  • die kompletten Augenbrauen werden nach oben gezogen
  • dies führt zu einer runden Bogenform der Augenbrauen
  • es ist mehr vom Auge zu sehen, weil sich die Augendeckfalte hebt
  • auf der ganzen Stirn bilden sich meist horizontale Falten (außer bei Kindern)

Der Gruß mit den Augenbrauen

Weiter oben im Text habe ich bereits den Eyebrow-Flash kurz erwähnt. Er steht für ein sehr kurzes Hochziehen der Augenbrauen. Der Eyebrow-Flash, meist kombiniert mit einem Lächeln und einem abschließenden leichten Nicken, wird auch Augenbrauen-Gruß genannt und kulturübergreifend als Zeichen der Kontaktaufnahme erkannt. Wir nutzen ihn häufig als „Hallo“-Signal über längere Entfernungen.

Das Gegenteil ist übrigens der Eyebrow-Raise, das Anheben der Augenbrauen in „normalem“ Tempo. Der Eyebrow-Raise vergrößert das subjektiv empfundene Sichtfeld und erleichtert so die Informationsaufnahme über die Augen.

Augenbrauen TextWenn Sie den Text links lesen wollen, müssen Sie mit dem Kopf wahrscheinlich näher zum Bildschirm heran. Achten Sie in diesem Moment darauf, was Ihre Augenbrauen machen: Sie heben sich an.

Quellen

Darwin, C. (1872/2009). The expression of the emotions in man and animals (4th ed.). New York: Oxford University Press.

Eibl-Eibesfeldt, I. (1984). Die Biologie des menschlichen Verhaltens: Grundriß der Humanethologie (5 ed.). München: Piper.

Ellyson, S. L., & Dovidio, J. F. (1985). Power, Dominance, and Nonverbal Behavior. New York, NY: Springer.

Grammer, K., Schiefenhövel, W., Schleidt, M., Lorenz, B., & Eibl-Eibesfeldt, I. (1988). Patterns on the face: The eyebrow flash in crosscultural comparison. Ethology, 77(4), 279-299.

Izard, C. E. (1971). The face of emotion. East Norwalk, CT, US: Appleton-Century-Crofts.

Matsumoto, D., & Hwang, H. C. (2013). Body and Gestures. In D. Matsumoto, M. G. Frank, & H. S. Hwang (Eds.), Nonverbal Communication. Science and Applications: Sage.

Pelachaud, C., Badler, N. I., & Steedman, M. (1996). Generating facial expressions for speech. Cognitive Science, 20(1), 1-46.

Poggi, I., Pelachaud, C., & De Rosis, F. (2000). Eye communication in a conversational 3D synthetic agent. AI Communications, 13(3), 169.

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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