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Von Veröffentlicht am: 29. Mai 2021Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

In einem Autohaus steht Herr Müller mit einem interessierten Ehepaar neben einem Fahrzeug. Er erklärt den beiden die umfassende Ausstattung und bietet eine Finanzierung an, aber die Kunden lehnen ab und verlassen das Autohaus schließlich wieder. Herr Meyer, der das Ganze vom Verkaufstresen aus beobachtet hat, geht auf Herrn Müller zu, presst den einen Mundwinkel ein, legt den Kopf leicht in den Nacken und sagt: „Na Herr Müller, wieder mal keinen Vertrag abgeschlossen?“

Was das Einpressen des Mundwinkels bedeuten kann

Das einseitige Einpressen des Mundwinkels ist ein Hinweis auf die Emotion Verachtung, sofern es in Kombination mit einem leichten in den Nacken legen des Kopfes oder einem unterbrochenen Blickkontakt auftritt.

Diese beiden nonverbalen Zusätze sind wichtig, denn sind sie nicht gegeben, kann es Nachdenken oder Skepsis bedeuten. Deshalb gehört es auch zu den sieben mimischen Einwandsignalen, die Sie in unserem Nonverbal Dictionary und in der Mimikresonanz®-Profibox finden und zu den Signalen von Mund und Kinn gehört (F3.3).

Hieran zeigt sich, dass nicht nur der Kontext, in dem Sie ein Körpersprachesignal erkennen, eine wichtige Rolle spielt. Auch die weiteren Signale, die zeitgleich oder verzögert auftreten, sind unbedingt zu beachten, wenn Sie die Körpersprache Ihres Gegenübers verlässlich einordnen wollen.

Tritt das Einpressen des Mundwinkels beidseitig auf, kann es auch dafür stehen:

  • dass die Person „bedient“ oder genervt (im Sinne von Ärger) ist, weil jemand etwas gemacht hat, das sie stört
  • dass die Person Verachtung mit einer moderaten Ärger-Komponente zeigt, wenn gleichzeitig die Augenbrauen hochgezogen sind

Achtung: diese Bewegung tritt auch beim Schlucken auf!

Das einseitige Einpressen des Mundwinkels drückt soziale Dominanz aus. Ihr Gegenüber blickt quasi von oben auf Sie herab und signalisiert Ihnen damit „Ich stehe über Ihnen“. Die Forschung hat hier einen interessanten Fund gemacht: Erfahren wir diese Abwertung, schwächt dies messbar unser Immunsystem und die Anfälligkeit für Erkältungs- und andere Infektionskrankheiten steigt. Verachtung zu erfahren kann im wahrsten Sinne des Wortes krank machen.

So erkennen Sie das Einpressen des Mundwinkels

Titelbild F3.3, Einpressen des Mundwinkels

Versuchen Sie, die Bewegung einmal selbst nachzuahmen. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie beide Mundwinkel einpressen? Fällt Ihnen eine Situation ein, in der Sie so gucken würden? Gleiches Spiel mit nur einem Mundwinkel. Auf welcher Seite fällt Ihnen das Einpressen des Mundwinkels leichter? Wenn Sie diese Übung nun vor einem Spiegel machen, können Sie wahrscheinlich folgende Merkmale erkennen:

  • die Mundwinkel werden angespannt, indem sie nach innen gepresst werden
  • am Mundwinkel entstehen Falten oder eine Wölbung
  • neben dem Mundwinkel kann ein Grübchen entstehen
  • der Mundwinkel hebt sich für gewöhnlich leicht an, er kann aber auch runtergehen oder auf gleicher Höhe bleiben
  • das Anpressen des Mundwinkels kann sich einseitig oder beidseitig zeigen

Verachtung in Beziehungen

Achten Sie auf dieses Signal insbesondere in Ihrer Beziehung. Die Forschung zeigt: Tritt Verachtung vermehrt in Liebesbeziehungen auf, ist dies der sicherste Hinweis darauf, dass die Partnerschaft nicht lange halten wird. Wie der amerikanische Psychologe John M. Gottman herausfand, ist Verachtung die Emotion, die am destruktivsten auf die Bindung einwirkt – ganz im Gegensatz übrigens zu Ärger oder Ekel, die keine Vorhersagefaktoren für die Unzufriedenheit in einer Beziehung sind.

Anders ist es bei der Eltern-Kind-Beziehung. In der Verbindung zwischen Eltern und Kind wiederum zeigen vor allem Teenager in der Pubertät häufig Verachtung und Ekel gegenüber Mutter und Vater. Hier sind die Emotionen jedoch nicht persönlich gemeint, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass die Jugendlichen ihre Identität und Selbstbestimmung finden möchten. Wenn Sie als Elternteil das Einpressen des Mundwinkels bei Ihrem Teenager sehen, machen Sie sich keine Sorgen, sondern freuen Sie sich, dass Ihr Kind gerade lernt, seine Identität zu festigen.

Quellen

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Gottman, J. M., Coan, J., Carrere, S., & Swanson, C. (1998). Predicting marital happiness and stability from newlywed interactions. Journal of Marriage and the Family, 60(1), 5-22. doi:10.2307/353438

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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