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Wenn wir einen Sinn ausschalten, erleben wir andere Sinne intensiver. Das Senken der Oberlider ist ein einfacher Weg, einen unserer Sinne auszublenden. Bestimmt haben Sie auch schon mal die Augen geschlossen, um vielleicht den Geschmack Ihres Essens im Mund bewusster wahrzunehmen, um das Fell Ihres Hundes mehr zu fühlen oder um den Geruch Ihres Partners intensiver einzuatmen.

Wenn wir die Augen schließen, senken wir die Oberlider. Dieses nonverbale Zeichen gehört in der Mimikresonanz®-Profibox zum Beobachtungskanal der Mimik und ist dort unter den Signalen von Augen und Nase zu finden (F2.10).

Was das Senken der Oberlider bedeuten kann

Beim Senken der Oberlider können die Augen entweder ganz geschlossen sein oder nur herunterhängen. Dementsprechend bedeuten diese Signale auch Unterschiedliches.

Hängende Oberlider sind ein mögliches Zeichen für:

  • leichte oder kontrollierte Trauer
  • sexuelles Interesse, wenn weitere Signale auftreten, wie z.B. Lippenlecken (im Kontrast zum Hochziehen der Oberlider ist der Fokus hier eher auf den „inneren Film“ gerichtet)
  • Langeweile
  • Erschöpfung oder Müdigkeit
  • Zufriedenheit, wenn es mit einem Lächeln verbunden ist

Geschlossene Augen sind ein mögliches Zeichen für:

  • Schmerz, da dieses Signal dabei am häufigsten auftritt und somit zu den Core-Movements gezählt wird
  • Konzentration: das Schließen der Augen reduziert die kognitive Anstrengung und erleichtert das Visualisieren, der Fokus kann also mehr auf innere Prozesse verlagert werden
  • Entspannung, wenn der Muskeltonus insgesamt verringert ist
  • Genuss, wenn das Schließen der Lider zusätzlich durch „lachende“ Augen begleitet wird

Hängende Augenlider vermitteln hauptsächlich Negatives: Müdigkeit, Niedergeschlagenheit oder Langeweile. Zudem tragen sie dazu bei, dass wir von anderen als weniger intelligent wahrgenommen werden. Ebenso lassen sie uns älter und weniger attraktiv wirken. Jedoch in Kombination mit einem Nicken oder Kopfschütteln verstärkt ein komplettes Schließen der Augen unsere Ausstrahlung von Sicherheit beim Sprechen oder Zuhören. Das „Ja“- oder „Nein“-Signal der Kopfbewegung ergänzt es um die Botschaft: „Ich bin absolut überzeugt davon“.

So erkennen Sie das Senken der Oberlider

  • das obere Augenlid hängt runter und verkleinert die Augenöffnung
  • die Augen können sich auch ganz schließen

Der berühmte Schlafzimmerblick

Da hängende Augenlider sowohl auf Langeweile als auch auf sexuelles Interesse hindeuten können, sollten Sie hier auf zusätzliche nonverbale Signale wie bspw. die Pupillengröße achten. Bei emotionaler Erregung, z.B. sexuellem Interesse oder aktivierender Trauer, werden sie größer. Bei Langeweile, Müdigkeit oder Erschöpfung ziehen sie sich zusammen.

Eine Studie untersuchte zudem die Wirkung des berühmten Schlafzimmerblicks auf potenzielle Partner:innen. Das Ergebnis: Hingen die Augenlider der auf dem Bild gezeigten Person herunter, urteilten die Probanden, dass diese wohl eher an einer Affäre als an einer Langzeitbeziehung interessiert sei.

Quellen

Die vollständige Quellenangabe finden Sie in der Mimikresonanz®-Profibox und im dazugehörigen Literaturverzeichnis.

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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