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Wie würden Sie die Breite eines Tischs beschreiben? Oder die Höhe eines Hundes? Den Ausschnitt eines T-Shirts oder den Stil eines Kleides? Sie nehmen sehr wahrscheinlich Ihre Hände zu Hilfe und zeigen die Größe an bzw. skizzieren mit den Fingern in der Luft die Form der Kleidung. Die Formpräsentation gehört in der Mimikresonanz®-Profibox zum Beobachtungskanal der Gestik und ist dort unter den redebegleitenden Gesten zu finden (G1.4).

Was die Formpräsentation bedeuten kann

Durch Gesten der Formpräsentation können andere besser verstehen und nachvollziehen, was wir erzählen, weil wir unseren Gedanken eine „sichtbare Form“ geben. Zum Beispiel:

  • enthüllt sie das konkrete Bild, das eine Person von der gestisch präsentierten Form im Kopf hat
  • kann sie auch als Metapher dienen, z.B. „etwas ist perfekt“ wird durch einen gestisch präsentierten Kreis verkörpert

So erkennen Sie die Formpräsentation

  • die Hände präsentieren eine bestimmte Form
    • entweder eine spezifische Gestalt oder deren Größe
  • tritt typischerweise im zentralen Zentrum des Gestenraums auf
  • bildet die Formpräsentation ein konkretes Objekt ab (im Gegensatz zu einer metaphorischen Geste), ist der Blick meist auf die Hände bzw. das gestisch dargestellte, imaginäre Objekt gerichtet

Darstellungsoptionen:

  • die gestisch präsentierte Form wird durch die Hand an sich als Objekt ausgedrückt, z.B. die Faust als Stein
  • die Hände umschließen eine imaginäre Form und bilden so bspw. einen Ball ab
  • es wird mit den Fingern in die Luft gemalt, z.B. ein Herz
  • die Hände tasten eine imaginäre Form ab, bspw. um eine Box darzustellen

Formpräsentation dient der Unterhaltung

Möchten wir unsere Freunde in einem Gespräch unterhalten, bspw. mit einer Story aus dem letzten Urlaub, untermalen wir das meist mit Formpräsentationen. Denn die Forschung hat gezeigt: Je größer der Wunsch ist, mit einer Geschichte zu unterhalten, desto mehr neigen wir zu Übertreibungen, was sich auch auf die Gesten der Formpräsentation auswirkt. Der Fisch, der beim letzten Angelausflug gefangen wurde, wird meist mit jeder Erzählung in der gestischen Darstellung etwas größer. Rückwirkend verändert sich übrigens so auch unsere Erinnerung, sodass wir den Fisch wirklich als größer empfinden.

Quellen

Dudukovic, N. M., Marsh, E. J., & Tversky, B. (2004). Telling a story or telling it straight: the effects of entertaining versus accurate retellings on memory. Applied Cognitive Psychology, 18(2), 125-143. 

Elia, I., Gagatsis, A., & van den Heuvel-Panhuizen, M. (2014). The role of gestures in making connections between space and shape aspects and their verbal representations in the early years: findings from a case study. Mathematics Education Research Journal, 26(4), 735-761.

Lausberg, H. (2017). NEUROGES – Coding Manual III. Köln.

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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