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Von Veröffentlicht am: 9. April 2022Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

Wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin ein neues Parfum aufgetragen hat und Sie diesen Geruch intensiver wahrnehmen möchten, schieben Sie mit ziemlicher Sicherheit Ihren Kopf nach vorne, um am Hals Ihrer Lieblingsperson zu schnuppern. Das kennzeichnet diese Annäherungsmotivation, die wir bei der Emotion Liebe auch ohne neues Parfum spüren. Die Kopfbewegung nach hinten oder vorne gehört in meiner Mimikresonanz®-Profibox zum Beobachtungskanal „Kopfhaltung“ (H3).

Was die Kopfbewegung nach hinten und vorne bedeuten kann

Grundsätzlich sagt dieses Signal etwas über die Motivationsrichtung aus, nämlich entweder eine Vermeidungs- oder eine Annäherungsmotivation.

  • bei Angst und Ekel (Vermeidungsmotivation) bewegen wir den Kopf nach hinten
  • bei Freude, Liebe, Interesse und Ärger (Annäherungsmotivation) bewegen wir den Kopf nach vorne in Richtung des emotionsauslösenden Ereignisses
  • auch bei Mitgefühl zeigt sich eine leichte Bewegung des Kopfes nach vorne
  • bei Überraschung kann die Bewegung sowohl nach vorne als auch nach hinten erfolgen

Wie die Kopfbewegung wirkt, hängt stark von der sie begleitenden Mimik ab. Die Kopfbewegung nach vorne wirkt grundsätzlich interessiert. Sie kann aber auch eine durch einen Ärgerausdruck transportierte Bedrohung weiter verstärken – ein Signal, das auch Gorillas nutzen, um ihren Gegner einzuschüchtern. Ziehen wir hingegen den Kopf zurück, verstärkt dies die entsprechende Wirkung der Emotionsausdrücke von Angst („Ich möchte hier weg“) bzw. Ekel („Ich möchte mich distanzieren“).

So erkennen Sie diese Kopfbewegungen

  • der Kopf bewegt sich nach hinten
  • der Kopf bewegt sich nach vorne

Kopfbewegung und der iHunch

In welcher Position sitzen oder stehen Sie gerade, ist Ihr Kopf nach vorne geschoben? Smartphone, Computer und Co. haben dazu geführt, dass wir uns durchschnittlich zwei bis vier Stunden am Tag mit überstrecktem Hals nach vorne lehnen. Unser Kopf ist also ca. 700 bis 1400 Stunden im Jahr in einer Position, die schlecht für die Wirbelsäule und die allgemeine Haltung ist. Dadurch entsteht der inzwischen weitverbreitete sogenannte iHunch (deutsch: iBuckel), der u.a. zu Nackenbeschwerden und Kopfschmerzen führt.

Achten Sie daher besonders in diesen Momenten darauf, dass Ihre Ohren auf einer Linie mit den Schultern liegen. Die Schulterblätter sollten zurückgezogen sein. Mit einer gleichmäßigen Ausrichtung von Kopf und Schultern verringern Sie den Druck auf Ihre Wirbelsäule und verhindern somit den iHunch.

Quellen

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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