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Von Veröffentlicht am: 15. Mai 2021Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

Wann haben Sie zuletzt etwas Schimmliges aus Ihrem Kühlschrank geholt? Wenn Sie direkt sehen, dass z.B. Obst Schimmel angesetzt hat oder aber Sie an saurer Milch riechen, kann ich Ihnen versichern, dass Sie dabei unbewusst Ihre Nase rümpfen. Denn das Naserümpfen signalisiert, dass Sie sich ekeln. Doch es hat auch noch andere Bedeutungen

Was Nase rümpfen bedeuten kann

Menschen mit einer höheren Ausprägung der Persönlichkeitsmerkmale Gewissenhaftigkeit und/oder Neurotizismus sind empfänglicher für die Emotion Ekel und zeigen diese häufiger, wohingegen bei Menschen, bei denen die Eigenschaft Offenheit hoch ausgeprägt ist, Ekel seltener auftritt. Neben der Emotion Ekel kann das Signal auch Ablehnung bedeuten, z.B. wenn uns jemand etwas vorschlägt oder erzählt, das wir in der Umsetzung für schwierig halten. Jemand sagt zum Beispiel: „Lass uns nicht den Zug, sondern das Auto nehmen, um von Berlin nach Hamburg zu fahren. Das schaffen wir entspannt in zwei Stunden.“ Wenn Sie die Zeit für zu knapp halten, dann wäre das Rümpfen der Nase eine typische Reaktion.

Das Rümpfen der Nase gehört nämlich, wie das Zusammenziehen der Augenbrauen und der Facial Shrug, zu den sieben mimischen Einwandsignalen und kann daher für einen inneren Einwand in Form von Skepsis stehen. Es ist jedoch in erster Linie ein Zeichen für physischen Ekel, der durch potenziell schädliche Umweltfaktoren wie Krankheiten, verdorbene Lebensmittel und Unhygienisches ausgelöst wird.

Ebenso kann es aber auch Schmerz bedeuten, denn das Naserümpfen gehört zu den Kernbewegungen (Core-Movements) von Schmerz. Dies ist insbesondere in Preisverhandlungen interessant, denn Preisinformationen werden in unserem Gehirn im Schmerz-Ekel-Zentrum verarbeitet.

In meiner Mimikresonanz®-Profibox „Körpersprache entschlüsseln & verstehen“ ist das Naserümpfen in die Kategorie der Signale von Auge und Nase eingeordnet (F2.11).

So erkennen Sie Nase rümpfen

Das Rümpfen der Nase und damit das Ausdrücken der Emotion Ekel wird geschlechterübergreifend als unattraktivster Gesichtsausdruck wahrgenommen. Forscher erklären das damit, dass sich die Emotion Ekel in der Evolution entwickelt hat, damit wir uns von schädlichen Umweltfaktoren, die Krankheiten auslösen könnten, fernhalten. Dass dieses Signal so abstoßend wirkt, scheint daher ein eingebauter Schutzmechanismus der Natur zu sein.

An folgenden Merkmalen erkennen Sie das Signal, und können es nach dem BIG-Point der nonverbalen Analyse korrekt einschätzen:

  • die Haut zieht sich entlang der Nasenflanken nach oben zur Nasenwurzel, wodurch sich in diesen Bereichen Falten bilden
  • das Infraorbitaldreieck wird nach oben gezogen, die Infraorbitalfalte vertieft sich und es bilden sich Falten unter dem unteren Augenlid
  • der innere Anteil der Augenbrauen senkt sich ab
  • die Augenöffnung verkleinert sich
  • die Oberlippe wird in der Mitte hochgezogen
  • die Nasenflügel können sich weiten und angehoben werden
  • die Nasolabialfalte kann sich vertiefen

Achtung Interpretationsfallen: Brille, Juckreiz und Geschmack

Manche Brillenträger rümpfen die Nase, um ihre Brille zurechtzurücken. Ebenso zeigen wir diese Bewegung, wenn uns die Nase juckt. Nehmen Sie diese Bewegung bei Ihrem Gegenüber wahr, achten Sie dabei also auf die Baseline der Person und interpretieren Sie das Naserümpfen in solchen Fällen nur mit Vorsicht als Ekel.

Als meine Töchter noch kleiner waren, konnte ich das Naserümpfen beim Essen beobachten, wenn sie etwas Neues probierten – unabhängig davon, ob es ihnen schmeckte oder nicht. Neben Ablehnung signalisiert dieses Signal nämlich ebenso die Botschaft: „Ich probiere gerade etwas Neues aus, das ich noch nicht kenne.“ Denn beim Naserümpfen atmen wir weniger Luft durch die Nase ein, was dazu führt, dass wir den unangenehmen Geruch als weniger intensiv empfinden. Das Gleiche gilt für den Geschmack, da auch beim Schmecken der Geruchssinn eine wesentliche Rolle spielt.

Quellen

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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