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Von Veröffentlicht am: 18. Juni 2022Kategorien: Nonverbal Dictionary0 Kommentare

Wer es noch nicht selbst erlebt hat, konnte es bestimmt schon mal bei anderen beobachten: Jemand hält einen Vortrag, bekommt unerwartet eine Frage gestellt und fängt daraufhin an zu stammeln und rot zu werden. Die Durchblutung des Gesichts ist hier eine rein emotionale Reaktion. Sie gehört in der Mimikresonanz®-Profibox zur Psychophysiologie und dort zur Kategorie „Haut“ (P2.1).

Was die Durchblutung bedeuten kann

  • Erröten weist auf Verlegenheit, Scham (wenn auch nur selten) oder Ärger hin (daher auch das Sprichwort „vor Wut kochen“)
  • bei Verlegenheit wie im oben erwähnten Beispiel treten zusätzliche Merkmale wie Sprechfehler, Lächeln, zunehmende Körperbewegungen oder ein abgewandter Blick auf
  • Erblassen kann auf Angst hinweisen
  • die Forschung ist sich hier zwar noch nicht einig, aber die Temperatur der Hände scheint auf eine Annäherungs- oder Vermeidungsmotivation hinzuweisen
    • warme Hände können demnach bei Ärger und Freude auftreten (Annäherung)
    • bei Angst, Ekel oder Trauer werden die Hände hingegen kälter (Vermeidung)

Auch wenn Erröten von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird, so kann es dennoch eine positive Wirkung haben. Erröten wir nach einem Missgeschick oder einer Regelverletzung, nehmen uns andere den Fehler nicht so übel und beurteilen uns positiver. Ähnliches gilt für warme Hände. Studien konnten zeigen, dass warme „Objekte“, z.B. auch ein Händedruck, dafür sorgen, dass wir den anderen als zwischenmenschlich wärmer empfinden.

So erkennen Sie Durchblutung

  • die Durchblutung nimmt zu: wir erröten
  • die Durchblutung nimmt ab: wir erblassen
  • Erröten und Erblassen sind hauptsächlich im Gesicht (vor allem an den Wangen) zu sehen: hier liegen die Blutgefäße dichter und – bedingt durch die dünnere Haut im Gesicht – näher an der Oberfläche als in anderen Hautregionen, deshalb werden sie bei einer vermehrten Durchblutung leichter sichtbar
  • Erröten kann sich ebenso am Hals und Dekolleté (auch in Form von roten Flecken) sowie an den Ohren zeigen
  • an den Händen ist eine veränderte Durchblutung in der Regel gut an der Temperatur zu ertasten: die Hände werden kalt oder heiß

Blushing und Flushing

Im Englischen wird Erröten in Blushing und Flushing unterschieden. Blushing bezieht sich dabei auf eine vorübergehende Rötung des Gesichts, meist ausgelöst durch eine selbstreflektive Emotion wie Verlegenheit oder Scham. Es tritt also vor allem im sozialen Kontext auf und wird auch als „Social Blushing“ bezeichnet. Flushing bezieht sich hingegen auf eine physiologische und nicht-emotionale Reaktion, wie sie z.B. durch Alkohol, Hitze oder sportliche Betätigung auftritt. Interessant auch für Frauen: Rouge trägt im Englischen ebenfalls den Begriff „Blush“. Frauen tragen dieses Puder, welches die Wangen errötet, also auf, um sozial attraktiver wahrgenommen zu werden.

Quellen

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Über den Autor: Dirk W. Eilert

Dirk W. Eilert, Jahrgang 1976, ist Experte für emotionale Intelligenz und Entwickler der Mimikresonanz®-Methode sowie des emTrace®-Coachingansatzes. Als einer der führenden Mimik- und Körpersprache-Experten im deutschsprachigen Raum ist seine Expertise regelmäßig in Radio, TV und Printmedien gefragt. Dirk W. Eilert ist verheiratet und hat zwei Töchter. Er lebt in Berlin und leitet dort seit 2001 die Eilert-Akademie.

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